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Donnerstag, 10. Mai 2012

Haarwäsche hinauszögern Teil II - die Methode

Hallöchen ihr langhaarigen Hippies!

Wie versprochen kommt hier der zweite Teil meiner "Haarwäsche hinauszögern"-Reihe. Heute erzähle ich euch ein bisschen dazu, wie man vorgehen sollte, welche Hilfsmittelchen angebracht sein könnten und wie man idealerweise einen nicht mehr ganz so frischen Haaransatz verstecken kann.

(Anmerkung: Die Produkte, die ich euch hier empfehle, sind ganz unten im Artikel noch einmal aufgelistet und verlinkt!)

Grundsätzlich: Jede Haut gibt Fett ab, an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich viel. Das tut sie, um sich vor äußeren Einflüssen (Wetter, Sonne, Staub, Austrocknung) zu schützen - logisch.
Seit einigen Jahren, der medizinischen und hygienischen Revolution sei Dank, können wir uns waschen, wann immer wir wollen, mit tensid-basierten Shampoos und Duschgels, Seifen, Peelings und wir tun es auch gerne und häufig. 
Ich muss wohl nicht erst sagen, dass diese Entwicklung der Haut nicht unbedingt gefallen hat ;) Sie reagiert darauf mit einer übermäßigen Ausschüttung von Fett (Hauttalg oder Sebum). Das Fett, dass die Haut ausschüttet, wird gleich wieder weggewaschen, der Kreislauf beginnt von vorne.
Diese Entwicklung kann aber auch, bis zu einem bestimmten Maß, umgekehrt werden. Und genau darum geht es beim Herauszögern der Haarwäsche. Die Haut gewöhnt sich wieder daran, weniger und langsamer Fett zu produzieren.

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden des Herauszögerns:
  • "Cold Turkey", sprich von einem Tag auf den anderen. Du bist hart gesotten und voller Entschlusskraft? Du willst dich sofort von einer täglichen Wäsche zu deinem ein-Mal-in-der-Woche-waschen-Ziel durchkämpfen?
  • Langsam, in kleinen Intervallen. Du wäschst bisher alle zwei Tage und möchstest nun auf alle drei Tage kommen. Das erfordert ein wenig Übersicht bei der Planung und dauert erfahrungsgemäß etwas länger, ist aber nicht so "brutal" wie die erste  Methode. 

Welche Methode für euch die bessere ist, das müsst ihr schon selber wissen. Jeder Mensch ist unterschiedlich, jede Haut ist unterschiedlich. Ich selber habe (wie im letzten Teil bereits erwähnt) mehr unbewusst meinen Waschrythmus auf 2 Mal / Woche ausgedehnt, wobei ich sehr langsam vorgegangen bin. Welche Methode auch immer ihr wählt, die folgenden Tipps helfen euch hoffentlich, eurer Ziel zu erreichen.

Einmal gründlich waschen ...
Zu Beginn des Experiments solltet ihr eure Haare einmal gründlich mit einem sanften, neutralen Shampoo eurer Wahl waschen. Bitte keine zusätzlichen Öle, Silikone, Parabene oder sonstiges. Wir wollen euer Haar ganz sauber bekommen. Lasst euer Haar an der Luft trocknen, Föhn und Co. trocknen nur aus.

Keine weiteren Zusätze
Verzichtet am besten völlig auf irgendwelche Stylingprodukte, Haarspray, Gel, Schaumfestiger etc. Was ihr noch vorrätig habt, könnt ihr euch gleich den Nachbarn schenken, denn euer langes Hippiehaar wird ab jetzt frei und unverklebt sein.

Entwirren und verstauen
Wenn euer Haar ganz trocken ist, kämmt es mit einem grobzinkigen Kamm. Wer besonders trockene Spitzen hat, darf ein paar Tropfen Öl (Jojoba-, Mandel- oder Kokosöl) in die Spitzen massieren.
Mir hat es sehr geholfen, meine Haare so bald wie möglich einzuflechten und hochzustecken, doch ihr könnt eure Haare auch an den ersten 1 bis 2 Tagen offen tragen.

Abends: Bürsten, Bürsten, Bürsten!
Wenn ihr von einem langen Tag nach Hause kommt, an dem ihr durch die Stadt gerannt seid, Autoabgase und Staub geschluckt habt, geschwitzt habt, dann würde normalerweise eine gute alte Haarwäsche helfen.
Aber nein!  Nehmt lieber eure Wildschweinborstenbürste zur Hand und striegelt sorgsam euren ganzen Kopf. Ihr könnt auch Scheitel abteilen und einzelne Partien gesondert behandeln oder den Kopf vorn über beugen und vom Nacken her anfangen. Hauptsache ist, dass ihr a) immer bis in die Spitzen hinunter bürstet, damit sich das Fett da verteilt, wo es hinsoll und dass b) eure Kopfhaut hinterher glüht wie ein Hochofen.


Schon wieder die Ernährung
Ja, es tut mir Leid, ich muss es schon wieder ansprechen: Bitte viel Obst und Gemüse essen und viiiiel Wasser trinken. Raffiniertes Mehl, Zucker und gesättigte Fette soweit wie möglich vermeiden. So das wars schon.


Gegen Schüppchen ... 
Wenn man beginnt, sich länger die Haare nicht zu waschen, können sich häufiger Schuppen zeigen, da sie ja nicht sofort weggewaschen werden. Für diesen Zweck könnt ihr euch einen sog. Staubkamm zulegen, mit dem ihr Scheitel für Scheitel euer Haar bearbeitet. Ihr werdet staunen, was da so alles hängen bleibt!

Fettiger Ansatz?
Tja, ein fettiger Ansatz ist wohl das Hauptproblem der ganzen Sache. Doch auch hier gibt es einige Tipps, denn verboten ist nur, was man als "Waschen" bezeichnen kann: 
  • Nimm ein normales Frottéehandtuch, beuge dich vorn über und massiere langsam mit etwas Druck deine Kopfhaut. Eine einfache, sanfte und wirkungsvolle Methode gegen den gröbsten Fettschimmer.
  • Trockenshampoo kann auch Abhilfe schaffen. Es wird auf den Ansatz aufgesprüht, kurz einwirken gelassen und dann ausgebürstet. Meine Erfahrungen hier sind zwiegespalten. Trockenshampoo darf auf keinen Fall zu lange auf der Kopfhaut bleiben, sonst ist Jucken (und vielleicht sogar ein Ekzem) garantiert. 
  • Babypuder wirkt auf die gleiche Art wie Trockenshampoo. Die feinen Partikel binden Fett und sollen dadurch ein frischeres Aussehen erzeugen. Babypuder kommt für mich jedoch noch weniger in Frage als Trockenshapoo, da es meine Haare erstens elektrisiert und zweitens die Poren der Kopfhaut verstopft. 
  • Kakaopulver (natürlich ohne Zucker, stark entölt) soll die natürliche Alternative zu Puder sein und zudem auf dunklem Haar nicht auffallen. Ich selber habe zwar weder Jucken oder Irritation der Kopfhaut festgestellt, noch irgendeine entfettende Wirkung. 
  • Haarwasser, ohne Fett und künstliches Parfüm, kann, in die Kopfhaut massiert, einen erfrischenden Effekt haben und die Haare weniger strähnig erscheinen lassen.

Alles in Allem stehe ich der Technik, sich irgendetwas in die Haare zu klatschen, um diese weniger fettig aussehen zu lassen, sehr kritisch gegenüber. Höchstens das Haarwasser kann gut sein und sogar helfen, die Kopfhaut und Haare zu pflegen.

Frisuren zum kaschieren
Am dritten oder vierten Tag hast du erfahrungsgemäß spätestens Probleme, die Haare offen zu tragen.
Ich empfehle dir, ein paar Frisuren auszuprobieren und zu sehen, was dir gefällt. Bei manchen betonen Flechtfrisuren nur noch mehr den fettigen Ansatz, dann ist ein streng zurückgekämmter Dutt oder ein feiner Seitenscheitel angebracht.
Du kannst es aber auch mit z. B. zwei französischen Zöpfen probieren, die du dann duttest. Hauptsache, es sieht gepflegt und "gewollt" aus ;) 

Am Abend vor der Wäsche
Am Abend, bevor ich meine Haare wasche, habe ich es mir angewöhnt, eine große, luxuriöse Ölkur zu machen. Die Kopfhaut bekommt eine Extraportion Rizinusöl, manchmal mit ein paar Tropfen Teebaumöl, in die Längen gebe ich meist Kokosöl oder Olivenöl. Du kannst deine Haare auch anfeuchten, während du das Öl aufträgst, das sorgt für den Extra-Pflegeeffekt.


Mein Fazit bei der Herausforderung Hinauszögern ist: Keep it natural! Mit synthetischen Produkten nachhelfen zu wollen kann nur schief gehen, deshalb: Bürsten, Kämmen, Flechten, Hochstecken, sich in Geduld üben.

Hier die Produkte, die ich euch empfohlen haben, wie immer von Amazon.de

Sonntag, 6. Mai 2012

Haarwäsche hinauszögern Teil I - die Gründe

Hallo meine Lieben!

Tja heute geht es um ein Thema, das mich zu Beginn meiner "Haarzüchterkarriere" vor mittlerweile fast 2 Jahren noch ziemlich gewurmt hat. Ich hatte gerade angefangen, mich mit natürlicher Haarpflege zu befassen und las an allen möglichen Stellen Aussagen wie "weniger ist mehr!" und "lasst eure Haare einfach mal gaaanz in Ruhe".

Wenn ihr wie ich seid, neigt ihr aber eher dazu, euer neues Hobby anpacken und ausleben zu wollen, ihr wollt alle Haarkuren auf dem Markt ausprobieren, euch den halben Inhalt eures Kühlschranks zusammengemischt auf den Kopf schütten, das Spektakel dann wieder auswaschen und am besten am nächsten Tag noch Sesamöl und Henna ausprobieren.

Das habe ich auch ziemlich lange so gemacht - ich konnte es einfach nicht sein lassen, die ganzen tollen Öle und Kuren auszuprobieren, über die ich gelesen hatte. Und um ehrlich zu sein, bin ich damit gut gefahren, zumindest die ersten 1,5 Jahr, oder, in Haarlängen gerechnet, die Zeit von Midback- bis Taillenlänge ;)

Mittlerweile, und das liegt sicher auch an der zunehmenden Haarmasse auf dem Kopf, bin ich in diesen Dingen etwas vernünftiger geworden. Um es mal ganz praktisch auszudrücken: Haarewaschen in der Badewanne wird mittlerweile zunehmend unbequemer und nicht selten wickelt sich ein ganzer Strang um den Oberarm, Hals oder Wasserhahn. Duschen hat sich als ähnlich problematisch erwiesen, und ich muss aufpassen, mir nicht den Nacken zu "verknacksen".

Unpraktisch ausgedrückt gibt es auch Gründe, die vom Aspekt der Haargesundheit für ein selteneres Waschen sprechen:
  • Bei jedem Kontakt mit Wasser (besonders mit heißem Wasser) quillt das einzelne Haar auf. Die Schuppenschicht öffnet sich, Wasser kann ein- und austreten. Das erweist sich besonders beim Trocknen als nachteilig, weil mit dem Verdunsten des Wassers auf der Haaroberfläche auch immer Wasser aus dem Inneren des Haares mit herausgezogen wird - das Haar trocknet aus. 
  • Dieser Effekt wird natürlich durch die Zugabe von Shampoo oder Seife noch verstärkt, da hier auch die natürlichen Öle, die das Haar geschmeidig halten, entfernt werden. 
  • Nicht zuletzt wird durch das Waschen mit basischen Reinigern auch der Säureschutzmantel von Haut und Haar angegriffen. Die Kopfhaut wird so anfälliger für Infektionen, Pilze, Bakterien etc.
Manche von euch kennen wohl noch die Geschichten von Großmüttern oder Urgroßmüttern, die davon erzählen, dass man sich damals höchstens alle zwei Wochen mal die Haare gewaschen hat, zur täglichen Reinigung stand nur ein Staubkamm zur Verfügung ...
Kaiserin Elisabeth, genannt "Sisi", soll ebenfalls ihre bodenlange Mähne etwa zwei mal im Monat gewaschen haben (übrigens mit einer Mischung aus Eiern und Cognac).
Sogar noch in den 1950ern berichten Schönheitsratgeber und Frauenzeitschriften, man werde "wohl nicht darum herumkommen, sich alle 14 Tage den Kopf zu waschen".
Aus dem 19 Jahrhundert sind Überlieferungen wie diese bekannt: "Um Dein Haar gesund zu erhalten, wasche es nicht öfter als einmal in drei Wochen"

Diese Liste könnte ich noch um einiges weiter führen, aber der Sinn dahinter ist klar. Von Sisi zumindest wissen wir, dass sie bis weit über die Grenzen Österreichs hinaus für ihre Haarpracht beneidet wurde und vielleicht hat ja die eine oder der andere von euch schon neidisch auf die alten Fotografien der Großmutter geschielt.
Fakt ist, dass wir unserem Haar bei jeder Wäsche eine große Belastung zumuten, von den Wirkungen der chemischen Reinigungsmittel ganz zu schweigen.

Doch was ist nun in unseren hektischen und auf Äußerlichkeiten fixierten Welt das richtige Maß? Sollen wir von Heute auf Morgen nur noch alle drei Wochen die Haare waschen? Oder uns dem "gesellschaftlichen Druck" beugen, immer eine fluffig-dufige frisch gewaschene und dann mit Haarspray zugekleisterte Frisur zu tragen?

Die Antwort liegt, denke ich, irgendwo dazwischen. Ich selber bin in den letzten 1,5 Jahren mehr unbewusst als gewollt auf einen Waschrythmus von etwa 4 Tagen gekommen - mal mehr und mal weniger.
Das liegt bei mir tatsächlich in der Bequemlichkeit begründet. Klar, ich dusche jeden Tag, sonst würde ich mich unwohl fühlen. Aber die Haare zu waschen, zu kuren, eine saure Spülung zu verwenden, zu entwirren und lufttrocknen zu lassen - das dauert mir mittlerweile einfach zu lange!
Mein "Ziel" ist es, auf einen Waschrythmus von 7 Tagen zu kommen und ich denke, mit etwas Übung und Durchhaltevermögen ist das durchaus zu schaffen.

Im zweiten Teil erzähle ich euch dann von den Tipps und Tricks, die dabei helfen sollen, die Haarwäsche herauszuzögern!

Schreibt mir doch, wie ihr dazu steht! Findet ihr das ganze Thema total ekelhaft? Wie oft wascht ihr euer Haar und habt ihr auch ein Herauszögerungs-Ziel?